Martha Pflug-Grunenberg

Texte

Wandbild an der Grundschule

Die großflächige, farbige Gestaltung von Wänden im öffentlichen Raum, orientiert am Muralismo, gibt es in Deutschland seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Besonders im Ostteil Berlins wurde diese Form der „Kunst am Bau“ für Wandgestaltungen, vor allem an Schulen, genutzt, um kalte, weiße Fassaden farbig zu gestalten.
Baugebundene Kunst verbindet Kunst und Architektur, zeittypische Formen und künstlerische Techniken und ist gleichzeitig eine vielfältige Stadtraumgestaltung.
Die Künstler*innen Karolin Hägele, Maja-Helen Feustel, Michaela Nasoetion und Georg Bothe schließen sich dieser Tradition an und haben diese mit ihrem partizipativen Projekt noch erweitert. Zusammen mit Schülerinnen der Klassenstufen 4-6 der Grundschule auf dem lichten Berg und der finanziellen Unterstützung, insbesondere des Sana-Klinikums, haben sie seit Beginn dieses Jahres ein Wandbild an der neu gebauten, 38 Meter langen Schulhofmauer erarbeitet und gestaltet.
Die Kinder der Schule konnten in einer vorbereiteten Umgebung der Entwurf-Workshops selbst bildnerische Elemente entwickeln, über die im Schülerparlament abgestimmt wurde und dann die Wand mit den ausgewählten Elementen bemalen.
Im Entwurf greifen die Künstler*innen die Farbgebung des modernen Schulmensa-Anbaus des Architekten Manfred Öller und der Schallschutzpanele am oberen Teil der Schulhofwand auf, zitieren Ornamente des historischen Gebäudes und kombinieren diese mit den Motiven der Kinder. Durch künstlerische Verfahren wie Cut out, Projektion und der Farbflächenzerlegung entstehen abstrahierte, flächige Formen, die mit Konturenzeichnungen und malerischen Fragmenten bildnerisch verwoben werden. So finden sich Gebirge, Blätter, Regenbogen, Tiere neben dem Treppengeländer und dem Ornament am alten Schulgebäude in dem Wandbild wieder. Es ist ein stimmiges Kunstwerk entstanden, das durch seine gestalterische Besonderheit und den partizipativen Erarbeitungsprozess in bester Weise geeignet ist, kulturelle und kreative Interessen der Schüler zu befördern und Impulse für weitere Aktivitäten zu geben sowie nicht zuletzt die Identifikation der Kinder und ihrer Familien mit der Schule zu vertiefen und in das Wohnumfeld hineinzuwirken.
September 2019

Biographie

1978 geboren in Uelzen
1999 Restaurierungsvolontariat in Bremen
Studium der Kunstgeschichte und Denkmalpflege an der TU Berlin sowie Bibliothekswissenschaft an der HU Berlin
2009 Abschluss des Studiums der Kunstgeschichte an der TU Berlin Magisterarbeit zum Thema: „Kunst am Bau der 50er und 60er Jahre an Schulen in Berlin – Leitbild, Dekoration oder Kunstwerk?“
seit 2009 beruflich tätig als Kunsthistorikerin
2015 Mitarbeit an einem Projekt zur Digitalisierung eines Teilnachlasses von Traugott Müller
Seit der Jugend selbst künstlerisch tätig, Teilnahme an Kursen für Aquarell, Monotypie, Linolschnitt und Zeichnen 2009 – 2016 Radierung im Studio Bildende Kunst – Werkstattgalerie bei Stefan Friedemann
lebt und arbeitet in Berlin